World of Warcraft: Offizielle Stellungnahme zum WoW-Vorfall

Von Thomas Wallus am 05.05.2012 - 08:58 Uhr

Die TV-Landschaft und die Welt der Videospiele - dass beides manchmal eine explosive Mischung ergibt, beweisen mittlerweile schon mindestens zwei Vorfälle, die für große Aufruhr bei Gamern gesorgt haben. Der jüngste Fehler ist dabei dem von ARD und ZDF eingeführten Informations- und Dokumentationskanal Phönix unterlaufen. In einem Studiogespräch hieß es seitens des Moderators, in World of Warcraft bekämpfen Spieler in mittelalterlichen Heldenrollen den Islam und schützten so Europa.

Nun hat man sich in Anbetracht des großen öffentlichen Drucks dazu entschieden, eine Stellungnahme zu diesem Thema abzugeben. In einem 37 Sekunden langen Video auf YouTube erklärt der Moderator, er habe schlichtweg das Spiel verwechselt, was dem anstrengenden Tag und der komplizierten Thematik geschuldet sei. Natürlich bedauere er den Vorfall, nennt aber nicht den Titel, welchen er tatsächlich meinte. Auch playMASSIVE hat sich in den letzten Tagen an die Pressestelle des Senders gewandt - hier der Text unserer Anfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als öffentlich-rechtlicher Sender und Informationskanal von ARD und ZDF genießt Phönix den Ruf als Garant für einwandfreie Recherche und sachliche Darstellung. Die Konsequenz, die sich aus dieser Positionierung des Senders ergibt, führt in gewissem Maße zu einem großen Vertrauen in die von Ihnen vermittelten Inhalte. Umso problematischer sind daher Fälle, die Ideen vermitteln, die fernab jeglicher Realität sind. So ist uns ein auf YouTube veröffentlichter Clip negativ aufgestoßen, welcher eine im Rahmen des in Norwegen laufenden Prozesses gegen Anders Breivik ausgestrahlte Sendung zeigt. Thematisiert wird die Tatsache, dass der Massenmörder Spieler des Online-Rollenspiels World of Warcraft war - das Spiel wird allerdings derart fernab jeglicher Fakten charakterisiert, dass es sicherlich jedem einzelnen der mehr als zehn Millionen Spieler auffiele.

Wörtlich heißt es seitens des Moderators: "World of Warcraft, ein kriegstreibendes Spiel, da schlüpfen also Spieler in mittelalterliche Heldenrollen und retten die Welt, retten Europa, auch vor einem Teil der Islamisierung in gewisser Weise. Das sind sehr kritisch zu sehende Spiele und er tauchte auch in eine Art Parallelwelt ab, wo er auch sehr viel geschossen hat. Jetzt ist es ja landläufig eigentlich einfach zu sagen: Ja klar, wenn der schon am Computerdrücker abdrückt, dann drückt er auch in Wirklichkeit schneller ab."

Tatsächlich handelt es sich aber um eine auf einem fiktiven Kontinent namens Azeroth angesiedelte Spielwelt, in der Spieler in die Rolle von Fantasiewesen schlüpfen. Selbstverständlich lässt sich im Rahmen einer solch fiktiven, virtuellen Spielwelt auch keine Parallele zu Islam oder Christentum ziehen, diese Wörter fallen nicht einmal im Spiel und sie sind auch nicht in verschleierter Form enthalten. Der ab 12 Jahren freigegebene und von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sowie der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia geprüfte Titel lässt Interpretationen hinsichtlich eines Kampfes der Ideologien nicht zu.

Als Spielemagazin hat unser Online-Portal playMASSIVE ein Interesse daran, die Fakten im Bezug auf das Thema Videospiele richtig darzustellen und drastische Fehldarstellungen aufzuzeigen. Im Rahmen der gamescom-Berichterstattung hat sich RTL im vergangenen Jahr einen ähnlichen Fauxpas geleistet, der mit zu Hackerangriffen auf die Webseite des Senders geführt hat und zu solch starkem öffentlichen Druck beitrug, dass sich der Sender nach Tagen entschuldigte. Ich möchte Ihnen so aufzeigen, wie hoch emotional das Thema von der betroffenen Zielgruppe aufgenommen wird.

Daher möchte ich mich ebenso um eine frühe Aufklärung des Vorfalls bemühen und bitte Sie daher um ein schriftliches Statement zu diesem Papier, welches wir ebenfalls veröffentlichen werden. Recherchen sollten mit zum Kerngeschäft Ihres Senders gehören und daher sollte offengelegt werden, wie es zu solchen Ungereimtheiten in der Redaktion kommen kann. In letzter Konsequenz führt diese Darstellungsweise nämlich zur noch geringeren gesellschaftlichen Akzeptanz von Videospielen und lässt die Killerspiele-Diskussion bei unwissenden Zuschauern nochmals aufflammen. 

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Wallus

Wir freuen uns, dass sich der Sender zum Weg an die Öffentlichkeit entschieden hat, auch wenn der genannte Grund wieder einmal realitätsfern scheint. Auch dieses Mal müssen wir uns, wie wohl schon beim RTL-Disaster, mit dieser Stellungnahme begnügen:
 

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